Meine Nähgeschichte

Vor 28 Jahren, als meine erste Tochter noch ein Baby war, habe ich angefangen zu nähen. Die Grundbegriffe hatte ich von meiner Mutter und Oma gelernt und als ich eine Nähmaschine geschenkt bekam, begann ich kostenlosen Anzeigenblatt nach alten, möglichst geschenkten Cordhosen (waren damals modern) zu suchen, denn eigentlich hatten wir überhaupt kein Geld für Kinderkleidung übrig….

Eines der ersten Teile, welches ich 1982 aus diesen Hosen nähte, war eine witzige Jacke für unsere Tochter:

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Wir wurden oft auf unsere lustige Kleidung angesprochen, zumal kunterbunte Marken noch nicht bekannt und die Kinderkleidung noch recht eintönig gestaltet war.

So bekam ich meine ersten Aufträge, konnte mir ein kleines Stofflager anlegen, belegte Nähkurse in der Volkshochschule und einen Fernkurs “Textildesign”. Da immer mehr Kunden hinzukamen, machte ich mich 1985 selbstständig. Die Stoffe konnte ich nun auch in größeren Mengen auf der Messe in Frankfurt einkaufen.

Mütter waren angetan von der guten Qualität und Verarbeitung, die Kinder liebten die Applikationen und den losen Schnickschnack wie Glitzersteinchen, Satinbänder, lose Ohren u.ä., besonders, wenn sie selber die Motive aussuchen durften und sich so mit ihrer Kleidung identifizieren konnten.

Bis 1998 habe ich, teilweise zusammen mit anderen Näherinnen, jede Saison eine eigene Kollektion entworfen und unzählige Einzelstücke genäht.

Da wir krankheitsbedingt an die Nordsee ziehen mussten und unsere Kinderzahl auch gestiegen war, legte ich mein Gewerbe nieder. Die Kinder standen erst einmal im Mittelpunkt und zum nähen fehlte vor allem die Zeit.

Mit der Geburt unseres Nesthäkchens 2000 kam wieder die Lust Babysachen zu nähen und selbst zu entwerfen. Die Nähmaschine wurde wieder hervorgeholt und das Stofflager in Augenschein genommen. Nach und nach entstanden wieder eigene farbenfrohe Modelle. Vor allem meine kunterbunt applizierten Jeanslatzhosen fanden reißenden Absatz.

Da ich meine Nählust gern mit anderen teilen wollte, erstellte ich die klickundblick-Webseite. Dort sammelten sich schnell auch andere Mütter mit der Liebe zu selbstgenähter Kleidung. Ich stellte deren und meine Modelle auf der Webseite vor und später richteten wir die Galerie ein. Dort konnte jeder seine Modelle selbst präsentieren.

In der damaligen Zeit war es sehr schwer, in Deutschland an schönes buntes Nähzubehör zu kommen. Alles war noch recht eintönig und farblos. Aber wir alle waren auf der Jagd nach Buntem für unsere Kindermodelle, also fuhr ich jedes Jahr mit großen Wunschlisten nach Holland in den Urlaub und brachte von dort die beliebten Pomponbänder, farbige Zackenlitzen, Aufnähblümchen und vieles mehr mit.

Nach und nach entstand der Webshop farbenmix.de. Hier boten wir an, was wir in Holland in immer größerer Zahl eingekauft haben. Meine Tochter Janina übenahm den kaufmännischen Teil und ich durfte weiter kreativ sein. Erste Schnittmuster wurden erstellt und das Angebot im Shop wuchs. Andere Designer gesellten sich zu uns und eine einzigartige Vielfalt entstand.

Inzwischen hat sich eine ganz neue Nähkultur rund um das farbenfrohe Zubehör gebildet. Viele Frauen fangen mit unseren Fotoanleitungen erst an zu nähen und entdecken ein tolles Hobby für sich. Nähen ist gar nicht mehr “angestaubt”, sondern es gilt:

“Hauptsache, es hält, alles andere ist DESIGN!”

Inzwischen gibt es einige Shops mit herrlichem Nähzubehör, Webbändern, Stickdateien und Designerinnen, welche traumschöne Motive entwerfen. Die Kunden haben die Wahl zwischen den unterschiedlichsten Qualitäten und Designs.

Ich persönlich freue mich sehr über diese neue bunte Nähkultur, darüber, dass sie sprießt, wächst und gedeiht!

Viele verkaufen ihre Unikate und machen so auch “Nichtnäherinnen” eine Freude. So finden hoffentlich noch viel mehr Mütter den Weg, ihre Kinder einzigartig und mit Liebe zu kleiden.

Genau aus diesem Grund haben Nancy und ich auch das Buch realisiert!

Ich arbeite noch immer sehr gerne, habe mehr Ideen als Zeit, Spaß am Nähen, aber auch an dem Teilen des schönen Hobbys mit euch!

Es ist schön, dass es die Möglichkeiten im Internet jetzt gibt und wir nicht alle nur alleine in unserem Kämmerchen sitzen. Sicher kostet alles Zeit, aber es gibt wesentlich kostspieligere und ungesundere Hobbys!


Ich wünsche euch viel Spaß auf meinen Nähseiten!